Überseetelephonie in alle Welt

Vor zwanzig Jahren, im Sommer 1915, erhielt einjunger Ingenieur der American Telephone and Telegraph Company vomBefehlshaber der in der Nähe vonHonolulu liegendenMarinestation die Erlaubnis,in einer kleinen Schiffswerft eine drahtlose Empfangsstation unterzubringen. Mit Hilfe eines einfachen und behelfsmäßigen Empfangsgerätes wollte der Ingenieur einen an der westamerikanischenKüste in der SendestationArlington (Virginia) befindlichen Funksender abhören, ein Versuch, der für die damalige Zeit etwas eigenartiges bedeutete und dem große Aufmerkamkeit gewidmet wurde. Schonnach einigen Monaten konnte er Ingenieur dem nicht sehr leichtgläubigen Marinebefehlshaber einen guten Empfang von Sprache im Kopffernhörer vorführen; Stimmen waren zu hören, die durch den Äther von Arlington herkamen. Zu jener Zeit glaubte kaum ein Mensch an die Möglichkeit, jemals ein Ferngespräch ohne jegliche Drahtverbindung über den Stillen Ozean hinweg führen zu können. Mißtrauisch untersuchte der Befehlshaber die ganze Empfangsanlage, weil er der Ansicht war, daß doch irgend eine Verbindung zum Ortsfernsprechamt bestände. Schließlich mußte er sich aber davon überzeugen daß die Sprache durch den kleinen Empfänger drahtlos aufgenommen wurde. Der erste Schritt zur Überbrückung des Stillen Ozeans mit Hilfe des Funkfernsprechens war zum erfolgreichen Abschluß gekommen.

Empfängersaal in Beelitz für den Überseekurzwellenverkehr

Die von Telefunken erbaute Großfunkstation Monte Grande bei Buenos Aires für den Überseefernsprechverkehr

Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen, in denen das Funkfernsprechen zur Vollkommenheit so entwickelt werden konnte, daß es heutzutage für ein Ferngespräch im Weltfernsprechverkehr keine Grenzen und Entfernungen mehr gibt. Bangkok spricht mit Washington, Prag spricht mit Kapstadt, Rom mit Honolulu, Berlin mit Rio de Janeiro, immer sind Entfernungen von vielen Tausenden von Kilometern und Weltmeere und Erdteile zu überbrücken. Alles erscheint selbstverständlich, und doch müssen umfangreiche technische Einrichtungen für die Überseetelephonie vorhanden sein. Nur durch den Funk ist es erst möglich geworden, den Weltfernsprechverkehr überhaupt durchzuführen. Vielleicht erinnern wir uns dessen, dass sich bei den großen Funkstationen der Welt der Funkbetrieb nichtnur auf einer einzelnen Stelle abwickelt, sondern daß überall für die Betriebsabwicklung eine Dreiteilung durchgeführt worden ist. Überall finden wir auf den für den großen Funkverkehr bestimmten Funkstellen folgende Organisation: Sendestation, Empfangsstation und Betriebszentrale. Diese Dreiteilung ist deshalb erforderlich. weil man unbedingt Störungen zwischen Sendestationen und Empfangsstellen vermeiden will und die Betriebszentrale unmittelbar mit dem übrigen Nachrichtenverkehr schnell, reibungslos und sicher zusammenarbeiten soll. Deshalb sind d

Betriebszentrale für den Überseefernsprechverkehr in Neuyork

ie Sendestationen meist in einer Entfernung von 20, 30 unter Umständen noch mehr Kilometer von der Empfangsstation entfernt aufgestellt, während sich die Betriebszentrale fast immer in einem Telegraphen- oder Fernsprechamt befindet, je nachdem die Funkanlagen für Telegraphie oder Fernsprechen verwendet werden. Als Sendestation für den Überseefernsprechverkehr dient in Deutschland die Großfunkstelle Nauen; die Empfangsstation, in die Abb. 1 einen Blick gewährt ist in Beelitz (Mark) untergebracht. Der eigentliche Betrieb wird in der Überseefernsprechabteilung des Fernamts Berlin Winterfeldstraße abgewickelt.

 

Es bestehen von Deutschland aus folgende Überseefunkfernsprechverbindungen:

  • Berlin-Buenos Aires (Abb. 2), Inbetriebnahme 10.Dez. 1928
  • Berlin-Bandoeng (Niederländisch Indien) Inbetriebnahme 23.Dez. 1929
  • Berlin-Rio de Janeiro, Inbetriebnahme 21.März 1930
  • Berlin-Maracay (Venezuela), Inbetriebnahme 21.März 1930
  • Berlin-Bangkok (Siam). Inbetriebnahme 15. April 1931
  • Berlin-Kairo, Inbetriebnahme 22.Juli 1932
  • Berlin-Manila, Inbetriebnahme 1. März 1933
  • Berlin-Tokio, Inbetriebnahme 12.März 1935
  • ...

Ähnlich wie Berlin für ein Überseeferngespräch jene drei erwähnten Betriebsstellen verwendet müssen sowohl alle Gegenstationen als auch London, Paris, Brüssel Neyyork, San Francisco und so weiter die gleichen Einrichtungen besitzen. An den Enden einer jeden Funkfernsprechverbindungen ist es möglich, ausgedehnte Fernkabeloder Freileitungsnetze anzuschließen. Außerdem können zwei ja auch drei Funkfernsprechverbindungen hintereinandergeschaltet und mit den Landlinien verbunden werden. Bangkok spricht mit Honolulu. In diesem Fall müßten folgende Wege zusammgeschaltet werden: Funklinie Bangkok-Berlin, Land- und Kabelllinie Berlin-London, Funklinie London-Neuyork, Land- und Kabellinie Neuyork-San Francisco, Funklinie San Francisco-Honolulu; in Bangkok und Honolulu würden die Fernsprechämter Stadt- und Landverbindungen bis zum Fernsprechteilnehmer anschließen. Für die Überseetelephonie sind umfangreich kostspielige Einrichtungen erforderlich, die Industrie und Technik geschaffen haben und die überhaupt erst die Überseetelephonie in aller Welt ermöglichen.

Quelle: Das Neue Universum, Band 56, 1935

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last Update of page: 26.10.2002

Author: Wolfgang Scharmer;   last Update of Site:  08.07.2003